01.09.2021, von David Pretzel

Einsatz in der Eifel

Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz Mitte Juli 2021, errichtete das Technische Hilfswerk (THW) unter anderem am Nürburgring einen Bereitstellungsraum (BR) für Einsatzkräfte. Einen BR zu errichten ist ein übliches vorgehen bei Großschadenslagen um gebündelt eine große Anzahl an Einheiten in der Nähe einer Einsatzstelle unterbringen zu können. Von dort aus fuhren hunderte Helferinnen und Helfer rund um die Uhr in die Einsatzgebiete, zum Beispiel ins Ahrtal.     Nach circa drei Wochen musste das Camp auf nahegelegene Parkplatzflächen des Nürburgrings umziehen, da mit einer noch längeren Einsatzdauer gerechnet wird und die bisherigen Flächen nicht mehr zur Verfügung standen. Im laufenden Betrieb des BR und der Einsätze, wurde nun eine neue Zeltstadt errichtet. Hierzu kamen vor kurzem zehn Helfer aus Nordhorn zum Einsatz um die Infrastruktur des Camps mit auszubauen. Der allgemeine Einsatzschwerpunkt des THW hat sich von der Gefahrenabwehr zur temporären Wiederherstellung von Infrastruktur verlagert. In der Region sind aktuell noch immer hunderte Helferinnen und Helfern im Einsatz. Diese helfen unter anderem bei der Reparatur von Versorgungsleitungen, stellen Trinkwasser bereit und bauen Behelfsbrücken.

Nach regelmäßigen Abfragen der Einsatzbereitschaft, war es für uns auch soweit. Vor kurzem fuhren sechs unserer Helfer von der Fachgruppe Elektroversorgung (FGr. E) in Richtung Eifel. Mit dabei der LKW der Fachgruppe und eine Netzersatzanlage 200 kVA, sowie ein Mannschaftstransportwagen (MTW) mit einem Lichtmastanhänger.

 

Der Einsatzauftrag lautete: Ausbau der Infrastruktur und Elektroversorgung im Feldlager des Bereitstellungsraumes.


Die Helfer wurden der Stelle „Infrastruktur“ des Camps unterstellt. Deren Aufgabe war es, die elektrische Versorgung der Zeltstadt zu planen und auszuführen. Da der Bereitstellungsraum noch für mehrere Wochen zur Verfügung stehen soll, war es notwendig, fest installierte elektrische Leitungen in den jeweiligen erforderlichen Dimensionen zu verlegen. Verschiedene THW-Fachgruppen können, dank bundesweit gleichem Aufbau, problemlos überregional zusammenarbeiten, wie hier die Fachgruppen „Elektroversorgung“ und „Infrastruktur“. Diese Vorteile ließen sich bei der Errichtung des Bereitstellungsraumes ebenfalls in allen Bereichen nutzen.

 

Zusammen mit Elektrofachkräften aus anderen Ortsverbänden verlegten unsere Helfer in den ersten zwei Tagen mehrere hundert Meter Leitungen in der Stärke von 150 Quadratmillimetern in Einzeladern zu mehrfachen Bündeln. Die Leitungen waren als Rohlänge auf in diesem Bereich handelsüblichen Holzkabeltrommeln angeliefert worden, von denen einzelne je über zwei Tonnen wogen. Diese konnten nur mit Hilfe eines Radladers bewegt werden. Die Leitungen wurden zu Stücklängen von zu je 50 Metern verarbeitet und mit wasserdichten Steck-Dreh-Verbindern, welche beispielsweise auch in der Industrie und Veranstaltungstechnik zum Einsatz kommen, versehen. Bei Temperaturen um 30 Grad Celsius kein einfacher, aber am Ende erfolgreicher Auftrag für die Helfer. Nach Verlegung der Leitungen konnten die Verteilerschaltschränke des Camps bestückt werden und letztendlich alle Bereiche mit Strom versorgt werden. Für die Dauer dieser Arbeiten wurde zuvor die mitgeführte Netzersatzanlage als Überbrückung zwischengeschaltet.


Neben regelmäßigen Überwachungsaufgaben der elektrischen Anlagen des Bereitstellungsraumes wurde als nächster Auftrag eine Überdachung für die Warenannahme des Küchenzeltes errichtet. In der Zwischenzeit waren für diese und andere Aufgaben zusätzliche Helfer unserer Fachgruppe Notversorgung/Notinstandsetzung (FGr. N) im Bereitstellungsraum eingetroffen.

Zusammen mit Helferinnen und Helfern des Ortsverbände Papenburg und Meppen, die ebenfalls dort im Einsatz waren, wurde aus dem Einsatzgerüstsystem (EGS) ein Tragwerk für ein späteres Dach vorbereitet. Dieses sollte den Bereich zwischen einem großen Küchenzelt, der Essensausgabe sowie den Kühl- und Lagercontainern vor Witterung schützen.

Auf der fertiggestellten Gerüstkonstruktion wurde ein Dach aus Holzbalken, Bohlen und Holzplatten errichtet. Abgedichtet wurde dieses mit einer dicken Kunststofffolie.


In einer Nacht wurden zwei LKW-Gespanne Zeltheizungen ausgeladen, die unsere Helfer zusammenbauen und in den Zeltreihen zur Erweiterung des Camps verteilen mussten.


Als alle Aufgaben im Feldlager abgearbeitet waren, ging es für die Helfer und einige Helfer des OV Papenburg per Einsatzauftrag direkt in das Hochwasserschadensgebiet nach Bad Neuenahr. Im Keller eines Schulgebäudes fanden Arbeiten zur Wiederinbetriebnahme eines Fernwärme-Netzes statt, dessen Anlagen mehrere Schulgebäude und öffentliche Einrichtungen verbindet. Wir unterstützen hier bei der Entfernung von Isolation an den Rohrleitungen. Diese war durch das Hochwasser nass und unbrauchbar geworden und musste komplett entfernt werden. Des Weiteren wurde auch die Fernwärme an dem Gebäudekomplex wieder freigeschaltet, um eine bessere Trocknung der Räume zu ermöglichen.

 

Nachdem diese Arbeiten erledigt waren, haben wir an einer anderen Schule in er Nähe noch eine Regenwasserzisterne ausgepumpt, damit diese beim nächsten Regen weiteres Wasser aufnehmen kann. Die dazugehörige Steuerungselektronik war durch Wasser und Schlamm zerstört worden und neue Regenmengen drohten weitere Schäden an den noch bestehenden Gebäuden zu verursachen.


Nach bis zu zehn Tagen Einsatz am Stück, kehrten alle Nordhorner Helfer wieder zurück. Im Nachgang wurden die Fahrzeuge und die eingesetzte Ausrüstung wieder einsatzbereit gemacht.


Der Einsatz des THW u.a. im Landkreis Ahrweiler dauert nach nun sieben Wochen immer noch an. Es ist daher nicht auszuschließen, das weitere Einsatzaufträge, auch für unsere Einsatzkräfte, folgen könnten. Es waren bisher tausende Helferinnen und Helfer aus fast allen Ortsverbänden im Einsatz. Diese leisteten über 1,6 Millionen Einsatzstunden. 

 

Vielen Dank für die gute Zusammenarbeit vor Ort an die beteiligten THW-Ortsverbände aus dem ganzen Bundesgebiet! Wie zum Beispiel u.a. aus Jever, Aurich, Norden, Norderstedt, Neustadt i.H. und unsere Nachbarn aus dem Regionalbereich Lingen.

Ein großer Dank gilt auch den Arbeitgebenden für die Freistellung unserer Einsatzkräfte von der Arbeit, sowie den Familien der Helferinnen und Helfer, für den Rückhalt im Hintergrund.



Bereitstellungsraum


Das bilden eines Bereitstellungsraumes ist ein übliches Vorgehen bei Großschadenslagen. Das System "Bereitstellungsraum 500 (BR 500)" des Technischen Hilfswerks (THW) ist ein Konzept zur Unterbringung von 500 und mehr Einsatzkräften bei länger andauernden Großschadenslagen. Das System besteht aus mehreren Komponenten, deren Kernelement die Herrichtung von Übernachtungsmöglichkeiten für Helferinnen und Helfer, aber auch für andere Einsatzkräfte, ist. Hierbei kann im Ernstfall ein Feldlager, bestehend aus Zelten und Containern, auf „der grünen Wiese“ errichtetet werden.

 

Je nach Situation und Erkundungsergebnissen im Anforderungsfall, können aber auch Messehallen, Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen genutzt werden. Im ersten Fall bringen die zugehörigen THW-Einheiten von Verpflegungszelt, über Sanitärcontainer und Werkstätten, bis Trinkwasseraufbereitung alles mit. Somit bietet das System ein Basislager für Einsatzkräfte, die von dort in einen Einsatz fahren. Im aktuellen Fall im Landkreis Ahrweiler kamen bereits tausende Einsatzkräfte im Bereitstellungsraum am Nürburgring unter. Dieses Camp wurde nun verlegt und weiter ausgebaut, da mit einer länger andauernden Einsatzzeit gerechnet wird.

Das System kann auch in Teilbereichen zum Einsatz kommen, wie zum Beispiel in der Vergangenheit beim „Moorbrand“ in Meppen im Jahr 2018 oder zu Übungszwecken beim THW-Bundesjugendzeltlager 2019 in Rudolstadt (Thüringen).

 

Mehr Informationen: https://br500.thw.de/


THW

Das Technische Hilfswerk ist die operative Bevölkerungsschutzorganisation des Bundes. Sie leistet technisch-logistische Hilfe im Inland wie im Ausland. Rund 80.000 Menschen darunter Techniker, Ingenieure und Spezialisten aus vielen weiteren Fachrichtungen engagieren sich ehrenamtlich in 668 THW-Ortsverbänden. Sie sind kompetente Partner der Feuerwehren der Polizei sowie der Hilfsorganisationen bei der Abwehr von Gefahren und der Beseitigung der Folgen von Unfällen und Katastrophen. Unterstützt wird dieses ehrenamtliche Engagement durch rund 2.000 hauptamtlich Beschäftigte in den 66 Regionalstellen, den acht Dienststellen, der Landesverbände, den THW-Ausbildungszentren sowie der THW-Leitung in Bonn.

Das THW ist bundesweit einheitlich organisiert und ein verlässlicher Partner. Auf allen örtlichen Ebenen stehen Ihnen Ansprechpartner zur Verfügung. Wenn Sie das Technische Hilfswerk anfordern wollen brauchen Sie nur mit dem nächstgelegenen THW-Ortsverband oder der THW-Regionalstelle Kontakt aufzunehmen. Sie eröffnen den Zugang zum „technischen Baukasten“ des THW der für eine Reihe von Schadenslagen die passenden Spezialeinheiten mit fachkundigen Einsatzkräften aus dem gesamten bundesweiten Einsatzpotenzial bereithält.


Alle Fotos: THW OV Nordhorn

 

 

 

Bildbeschreibung

Foto 1: Auf einem Schulhof in Bad Neuenahr.

Foto 2: Leitungen von 150 Quadratmillimetern Stärke wurden zum 50 Meter Stücke abgelängt.

Foto 3: Anbringen der Steck-Dreh-Verbindungen.

Foto 4: Betankung der Nordhorner Netzersatzanlage im Camp.

Foto 5: Rohbau der Überdachung den Wareneingang der Küche.

Foto 6: Abladen, Zusammenbauen und verteilen von dutzenden Zeltheizungen.

Foto 7: Arbeiten im Keller eines Schulgebäudes.

Foto 8: Überprüfung einer Heizungsanlage.

Foto 9: Auspumpen einer Regenwasserzisterne.

Foto 10: Ein Teil der Helfer nach getaner Arbeit.

Foto 11: Auf dem Weg zu einem Einsatzauftrag sind wir über eine Behelfsbrücke des THW gefahren. Hier und an anderen Stellen wurde den Helfern ein Teil des Ausmaßes bewusst, welche unglaublichen Auswirkungen die Hochwasserkatastrophe hatte.

Foto 12: Betankung durch die Bundeswehr.


Einsatzbericht in den Grafschafter Nachrichten: https://bit.ly/38mJ5kQ



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